Offene Mietschulden und der lange Weg der Eintreibung

Im vergangenen Jahr hatte ich ziemliches Pech mit dem Mieter meinen kleinen Eigentumswohnung. Die Miete kam mehrfach nur stark verspätet und das auch immer noch mit schriftlicher Ansprache. Telefonisch war der Mieter nicht zu erreichen. Im Frühjahr dann blieb die Miete zwei Monate hintereinander aus – trotz Mahnung als Einwurfeinschreiben mit Fristsetzung keine Reaktion des Mieters. Was nun?

Da die Wohnung nicht in der Nähe ist, wartete ich nochmals einen Monat. Schließlich sprach ich die fristlose Kündigung aus und reichte eine Klage zur Räumung der Wohnung ein. Auch dazu äußerte sich der Mieter nicht. Nachdem das Versäumnisurteil ausgestellt war fuhr ich zur Wohnung und ließ diese mit dem Schlüsseldienst öffnen.

Das große Grauen! Die Wohnung war total verkommen – alles vermüllt, die Tapeten gelb von Nikotinrauch, und ungewaschenes Geschirr in der Küche. In einem letzten Versuch kontaktierte ich den Mieter über die vorliegende Mailadresse – und ich glaubte es kaum. Es gab eine Antwort – er wäre bereit alles zu bezahlen und die Wohnung zu renovieren.

Aber auch diese Frist verlief dann ohne eine Rückmeldung. Somit beauftragte ich eine Firma die Wohnung zu auszuräumen und sie zu renovieren. Mittlerweile haben sich die Forderungen gegen den Mieter inkl. aller Kosten auf 1.600 EUR erhöht.

Mithilfe des Versäumnisurteils und einer Auskunft bei der Stadt fand ich heraus wo der Schuldner neu gemeldet war. Ich beauftragte also den Gerichtsvollzieher den offenen Betrag einzutreiben. Ohne Erfolg – auch dort war der Mieter bereits wieder verschwunden und hat wir bei mir eine vermüllte Wohnung und Mietschulden hinterlassen.

Nun, knapp ein Jahr später versuche ich nochmals mein Glück. Mittlerweile liegt mir wieder eine neue Anschrift vor, auch wenn ich dort vermutlich keinen Erfolg habe. Die städtische Beamte stöhnte als ich den Namen am Telefon nannte. Dennoch versuche ich eine Zustellung; ist es nicht möglich so bleibt mir eine öffentliche Zustellung um meine Forderung gegen die Verjährung zu schützen.

Der Titel wäre dann nach der offiziellen Zustellung – Amtsblatt – auf 30 Jahre gültig. Ich halte euch auf dem Laufenden…

Richtiges Vorgehen nochmal in Zusammenfassung (August 2008)

  1. Nach § 543 BGB (Abs. 2 Nr. 3) gibt es für den Vermieter das Recht zur außerordentlichen fristlosen Kündigung aus einem wichtigen Grund aussprechen – Voraussetzung dafür: zu Beginn mehr als eine offene Monatsmiete, zwei Fristsetzungen und am Ende zwei offene Monatsmieten
  2. Aussprechen der fristlosen UND fristgerechten Kündigung mit Angabe des Mietverzugs als Kündigungsgrund sowie den Gesamtbetrag der offenen Mieten; am besten persönlich mit Zeugen beim Mieter einwerfen. Gilt dann als zugegangen; bei Einschreiben ohne Abholung gilt das leider nicht. Zahlt der Mieter nach Zugang der Kündigung wird die fristlose Kündigung zwar unwirksam; die fristgerechte bleibt jedoch bestehen (3-9 Monate abhängig von der bisherigen Laufzeit)
  3. Räumungsklage einreichen – das Amtsgericht hilft dabei. Mit dem Titel kann dann ein Gerichtsvollzieher mit dem Übergabe der Räumungaufforderung sowie dem Eintreiben der offenen Mietschuld beauftragt werden.

Fehlt noch etwas?

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3 Antworten zu Offene Mietschulden und der lange Weg der Eintreibung

  1. pfblog schreibt:

    Wow, wann ist das denn alles passiert? Wieviel Verlust hast Du damit gemacht inkl. Hausgeldzahlungen usw.? Wieviel KP hast Du damals für die Wohnung bezahlt?

    Ich hab‘ echt Glück gehabt mit meiner Zwangsversteigerung vor einem Jahr. Das ganze wurde für Anleger Anfang der 90er Jahre aufgelegt. Daher gibt es einen gewerblichen Zwischenmieter mit einem unbefristeten Mietvertrag, der Verluste aller Wohnungen ausgleicht und immer pünktlich überweist. Ich hab die Wohnung nie gesehen und freu‘ mich deswegen umso mehr, dass es so gut läuft.

    Im Gegensatz zu vielen anderen hast Du einen wirklich guten Blog in den Anfängen, der mich natürlich thematisch auch sehr interessiert 😉

    ps: Adressänderungen mache ich noch..

  2. bluestar schreibt:

    Holla,
    pfblog, die Wohnungen nie gesehen? Ein ganz krasser Fehler. Da kannst du echt riesig froh sein, dass du so viel Schwein hast! Zum Glück hast du auch erkannt, dass du beim Kaufpreis der Zwangsversteigerung Glück hattest. Nach dem, was ich von Freunden und Bekannten gehört habe, die zur Selbstnutzung Immobilien bei so einer Versteigerung erwerben wollten, ist die Lage zumeist doch so, dass man für etwas ordentliches bei einer Zwangsversteigerung kaum Geld spart.

  3. Pingback: Zwischenstand - Mietschulden von Frau W. & Herrn B. | Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit & mehr Raum für das Wesentliche

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